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Stille Nacht
© November 2001
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Hinweis des Autors: Das Gedicht entstand beim Anhören
der Musik von Judas Priest und sollte bei selbiger genossen werden:
STILLE NACHT
Du willst wirklich von mir wissen,
sagte Blutlecker zu Hundekopf,
der ein Neuling war und entsprechend ahnungslos,
wieso die Menschen uns so fürchten?
Erzähl's ihm nur,
rief der Aasfresser hämisch,
der wegen seines Geruchs einige Meter weiter weg hockte.
Blutlecker überlegte für eine Sekunde,
ob er den knochenkauenden Außenseiter ignorieren sollte.
Aber ein Aasfresser ist immer noch tausendmal besser als ein Blutwarmer,
dachte er.
Erzähl schon, drängte der Hundekopf,
weil er meinte, daß Blutlecker es sich jetzt anders überlegen würde.
Ich will es wissen, fügte er schon weniger selbstbewußt hinzu.
Blutlecker stocherte nachdenklich im Feuer herum,
bevor er Hundekopf ernst ansah.
Wir sind Spiegelbilder dessen,
was sie in ihrer tiefsten Seelenlandschaft sein wollen.
Sie wollen an uns sehen, wie es ist,
wenn man die eigenen Kinder frißt.
Wenn man das Blut der Armen saugt,
das letzte, was man ihnen raubt.
Wenn man grausam den Freund zerfleischt,
der einem eben noch die Hand gereicht.
Wenn man die Schwachen zuerst aus der Meute reißt,
und mit dem Blick der Liebe in die Halsschlagader beißt.
Der Neuling blickte ihn fassungslos an und
rückte näher ans Feuer, weil ihm plötzlich kalt war.
Wir sind so schlecht nicht, behauptete er zaghaft.
Im nächsten Augenblick
sprang eine rotgewandete Gestalt in ihren Kreis.
Ich muß es richten, was Ihr verderbt,
schrie der Mann mit dem Wattebart.
Verderbt den Menschen nicht das heil'ge Fest durch alte
Märchen,
mit diesen Worten trennte er den Hundkopf von dessen Leib
und kickte ihn in das lodernde Feuer.
Vampyr, du bist ein antiquierter Blender,
bekam Blutlecker zuhören,
bevor der Holzpflock sein Herz traf,
und er zum ersten Mal in seinem neuen Leben blutete.
Der Aasfresser zitterte am ganzen Leib,
obwohl ihn das keineswegs davon abhielt,
faules Mark aus dem Knochen zu saugen,
den er trotz der Gefahr nicht aus der Hand legte.
Er rechnete mit einem schnellen Tod.
Aber der Wattebart entpuppte sich als Vorhang eines verständnisvollen
Grinsens.
Du brauchst keine Angst zu haben,
der Fortschritt braucht dich mehr als die Vergangenheit.
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