Weihnachtsmann auf Irrwegen

Eine Weihnachtsgeschichte von Martin Kay

© Dezember 1994


Mit einem lautstarken "Yippieeeeehhh" durchbrach die Stimme des großen, beleibten Mannes die kalte Luft. Ein Blitz jagte über den Horizont, als der Schlitten, der von einem Rentier gezogen wurde, durch das Himmelstor ins Menschenreich zurückfiel. Auf dem Kutschbock lachte der rot gekleidete Mann herzhaft auf und schwang eine Rute über seinem Kopf, aus der tanzende Funken schlugen.
Wieder einmal war es so weit. Nur noch wenige Tage, bis der Juniorchef seinen Geburtstag feierte (und alle Menschen mit ihm). Der Weihnachtsmann warf einen Blick zurück auf seinen voll beladenen Rentierschlitten. Stapelweise reihten sich dort große Säcke auf, die mit Geschenken für die Menschen gefüllt waren: Aller möglicher Schnickschnack, den die Menschheit so auf ihren Wunschzetteln niedergeschrieben hatte, befand sich dort drin, vermischt mit dem süßen Backwerk der Himmlischen Weihnachtsbäckerei.
Nikolaus "Nick" Weihnachtsmann wandte sich wieder nach vorn zu dem einzigen Rentier, das vor seinem Schlitten gespannt war. Sein Name war Rudolf, genannt Rudi, und er war der Letzte seiner Art. Früher einmal hatte Nick über einen Fuhrpark von sechs Rentieren verfügt, die seinen Schlitten durch die Weiten der Welt zogen, doch die Welle der Sparmaßnahmen machte auch vor der Himmlischen Bürokratie nicht halt. Um Kosten zu senken waren die Rentiere schlichtweg entlassen worden, denn ihr Verbrauch an Futter war zu einem unvertretbaren Maß angestiegen. Nick dachte oft an sie und fragte sich, was sie wohl gerade jetzt in diesem Augenblick taten und wo sie waren. Mit einer Handbewegung wischte er seine trübsinnigen Gedanken weg und konzentrierte sich auf das vor ihm Liegende. Unter ihnen erstreckte sich eine schneebedeckte weiße Landschaft, wie es sich zu Weihnachten gehörte. Wiesen, Felder, Tannen und gar Häuser waren von dem hellen Mantel himmlischen Schnees umwoben.
"Ja, das nenn' ich Weihnachten", rief Nick laut aus, woraufhin Rudolf ein Schnauben vernehmen ließ. "Was hast du alter Klappergaul denn?"
"Ich erinnere mich an die letzten beiden Jahre, in denen wir zu Weihnachten einige Probleme bekommen haben", schnappte das Rentier ein wenig gereizt.
Der Weihnachtsmann machte eine wegwerfende Handbewegung und schüttelte heftig den Kopf. "Ach, papperlapapp, das waren halt ein paar Pannen. So was kommt schon mal vor, schließlich bin ich ja auch nicht mehr der Jüngste." Doch seine Gedanken gingen andere Wege, als seine Worte. Nur schmerzhaft erinnerte er sich an die so genannten Pannen der letzten Jahre. War er doch einmal gezwungen gewesen, die Geschenke für die Menschen aus Einkaufsläden zu stehlen, weil man im Himmel nicht genügend Personal zur Verfügung hatte. Und letztes Jahr hatte er diesen seltsamen Traum gehabt, dass Harry Wijnvoord ihm die Show stahl.
"Alles nur wegen dieses blöden Slimfasts...", knurrte Nick sich in den Bart, doch Rudolf spitzte bei den laut ausgesprochenen Worten die Ohren und verrenkte sich fast den Kopf nach hinten.
"Aha, also denkst du doch darüber nach", stichelte das Rentier.
"Nun ja", stotterte der Weihnachtsmann ein wenig verlegen. "Ach, was soll's. Ein neues Jahr, neues Glück. Diesmal werden wir keine Probleme haben, denke ich. Der Schlitten ist aufgetankt, mein Freund Rudi hat genug Futter bekommen, die Geschenke für die Menschen sind sicher in Säcken verstaut auf der Ladefläche ... was kann uns noch passieren?"


*


Nach einer Weile des Fluges beschrieb der Schlitten eine riesige Kurve und begann mit seinem Landeanflug auf die Erde. Mit einem Tosen und Brausen, einem Zetern und Rütteln und ganz viel Rauch und Qualm setzte das himmlische Gefährt auf dem schneebedeckten Boden auf. Hustend stemmte sich Nick in die Höhe und versuchte sich mit beiden Händen den dichten, beißenden Qualm aus dem Gesicht zu wedeln.
"Herrgott im Himmel!" rief der Weihnachtsmann laut aus.
"Du sollst nicht fluchen!" ermahnte ihn Rudi.
"Pillepalle!" gab Nick ärgerlich zurück. "Was zum Teufel ist denn mit unserem Warpantrieb los, he? Ich dachte die Serafim hätten ihn repariert."
Rudi gähnte gelangweilt. "Falls ich dich an etwas erinnern darf: ich glaube nicht, dass unser Schlitten überhaupt einen Warpantrieb besitzt. Vielleicht hat der Auspuff mal wieder ein Loch."
"Ich sag's dir immer wieder, Rudi, mein Freund, dort oben im Himmel gibt es Tausende verschiedener Möglichkeiten, um irgendwelches Material zur Erde zu schaffen. Aber nein, wir müssen noch immer diesen ur-ur-ur-ur-ur-ur-ur-alten Schlitten benutzen. Wann krieg ich endlich ein Beamgerät?"
Mühsam kletterte Nick aus dem Fahrzeug und ließ sich achtlos in den Schnee fallen. "Au!" schrie er auf, als er mit seinem Hintern in einem Dornbusch landete, der unter einer Schneewehe verborgen lag.
"Geschieht dir Recht", kommentierte Rudi mit einem vielsagenden Grinsen.
Nick warf seinem Rentier einen drohenden Blick zu, sagte aber nichts. Er kämpfte sich auf die Beine und sah sich um. Nachdenklich kratzte er sich an dem langen, schlohweißen Bart, und als auch das nichts nützte, nahm er seine rote Pudelmütze vom Kopf und kratzte sich am haarlosen Hinterkopf.
"Hm", machte er nach einer Weile. "Irgendetwas ist hier faul."
"Ja, dein Atem", maulte Rudi.
"Halt die Klappe", fuhr der Weihnachtsmann ihn an. "Das ist jetzt nicht der Augenblick für irgendwelche schlechten Scherze."
"Och, so schlecht fand ich den Witz gar nicht", erwiderte Rudi amüsiert.
Nick sah sich weiter um. "Das Datum stimmt doch diesmal, oder?"
"Ja, ja, wir haben den zweiundzwanzigsten Dezember und du hast Weihnachten nicht verschlafen."
"Dann frage ich dich, wo wir sind!"
Nun hob auch Rudolf den Kopf, um ihre nähere Umgebung in Augenschein zu nehmen. Eine geraume Zeitlang blickte er nach links, rechts, oben, unten, vorn und hinten, und bevor es Nick zu bunt werden konnte, sah er zuletzt seinen beleibten Freund an.
"Ich schätze, irgendjemand hat sich beim Sprung durch das Himmelstor gründlich verkalkuliert", meinte Rudi.
"Vergaloppiert wäre wohl das richtigere Wort dafür, oder?" grunzte Nick. "Wo sind wir?"
"Das scheint die Lindenstraße zu sein." Nick riss die Augen auf. Nicht ganz, dachte er verbittert. Es war die Sündenstraße, und sie befanden sich direkt in der Hölle, jenem Ort, der sowohl im Himmel, als auch auf Erden existierte. Die Menschen sprachen oft von ihr als Fernsehen und kürzten dies als TV ab, eine Abkürzung, die für Teuflisch Verdammt stand.
"Die Sündenstraße", murmelte Nick in Gedanken versunken. "Hoffentlich kommt jetzt nicht gleich Mutter Eimer um die Ecke und macht uns von der Seite an."
"Wo wir schon mal hier sind, könnten wir uns ja ein wenig umsehen, nicht?" schlug Rudolf vor.
Nick zuckte die Achseln und nickte dann. Er befreite das Rentier von seinem Zaumzeug, versteckte den Schlitten unter einem schnell gesprochenen Unsichtbarkeitszauber und marschierte dann zusammen mit Rudi die Sündenstraße entlang. Offensichtlich waren sie in der Serienwelt des TV angekommen. Wer wusste schon, was hier noch auf sie wartete? Eine geraume Zeit gingen sie einfach so durch diese Gasse, sahen die Umgebung von Gute Pleiten, Schlechte Pleiten, Marienkäferhof und der Kalte. Danach durchquerten sie den so genannten Showteil, und hier wurde es wirklich bunt: Schaumhochzeit, Mini-Schnee-Weg-Show, Hans Meise, Ilona Christkind, Geh auf die Schanze!, Rückgrat und schließlich Rudis Urlaubsshow.
"Moment mal!" rief Rudolf, das Rentier. "Siehst du das da vorne?"
Nick hob eine Braue und schaute in die angegebene Richtung. "Rudis Urlaubsshow, na und?"
"Da benutzt einer meinen Namen!" empörte sich das Rentier schnaubend.
"Das schau'n wir uns mal näher an", meinte Nick. Sie ging auf das Gebäude zu, doch der Eingang war verschlossen. Rudolf brauste auf und wollte die Tür eintreten, als ein grauhaariger, schlaksiger Mann um die Ecke bog, und die beiden mit einem schelmischen Blick musterte.
"Ah, vererde, Herr'n, was kannich für S'e tun?" sprach der Mann sie in typisch holländischem Akzent an.
"Das ist Rudi Carrell!" stöhnten die beiden auf.
"Aberr sicherr", nickte der andere. "Darf ich S'e zu meine neue Urlaubsshow einladen?"
"Die verflixte Sieben!" erwiderte Rudolf.
"Was?" fragte Nick.
"Gib ihm eins auf die verflixte Sieben!"
Nick verstand noch immer nicht ganz, was sein Freund damit meinte, doch ganz nach seinem weihnachtlichen Instinkt holte er die Rute hervor und wirbelte sie drohend in der Luft. "Du warst unartig."
Rudi Carrell applaudierte heftig. "Groußartig, supperr, das ist einfach supperr. Ihr beide seid engagiert."
"Nix wie weg hier!" schrie Rudolf und spurtete los.
Nick, dem sein dicker Bauch im Weg war, kam nicht ganz so schnell von der Stelle, doch sie schafften es dem Albtraum zu entrinnen und flohen aus der Urlaubsshow. Die einzige Rettung war eine offen stehende Tür. Sie stürmten hinein und platzten direkt auf die Bühne einer laufenden Sendung. Auf einer roten Couch saß ein völlig unpassend gekleideter Herr mit langem, blondem, lockigem Haar, der vor einem großen Publikum irgendeinen Schwachsinn zum Besten gab. Neben ihm rekelte sich eine blonde Schönheit auf dem Sofa. Sie trug ein knappes Minikleid, das mehr von ihrem Körper offenbarte, als es verstecken konnte, und ihr dümmliches Gesicht, das wie gemalt aussah, lächelte unentwegt in eine Kamera, die gar nicht auf Aufnahme gestellt war.
"Jetzt weiß ich, woher die Blondinenwitze kommen", murmelte Nick. Doch kaum hatte er seine Worte ausgesprochen, verfluchte er sich schon wieder dafür, denn jetzt wurde der langhaarige Herr auf ihn aufmerksam. Er blickte zu ihnen herüber und konnte den Ausdruck von Überraschung in seinem Gesicht nicht ganz verbergen. Er sprang förmlich von der Couch und kam mit weit ausgreifenden Schritten zu Nick und Rudi.
"Ja, was muss ich denn da sehen", rief der Mann laut aus. "Wenn das nicht der Weihnachtsmann ist."
"Wen meint er?" fragte Nick und blickte sich verzweifelt um.
"Dich, du Trottel!" erinnerte ihn Rudi.
"Ach so, ja ich bin der Weihnachtsmann!"
Der Blonde schüttelte ihm die Hand und grinste breit ins Publikum, das plötzlich zu einem orkanartigen Applaus ansetzte. "Meine Damen und Herren, verehrte Zuschauer zu Hause, darf ich Ihnen den Weihnachtsmann vorstellen, exklusiv bei RTL!"
RTL? dachte Nick. Hatte es nicht letztes Jahr auch mit RTL solche Probleme gegeben?
"Sagen Sie, lieber Weihnachtsmann, sind Sie dieses Jahr nicht ein bisschen früh dran?"
Nick prustete. "Wollen Sie mir sagen, wann ich meine Tour zu fahren habe?"
Aus den Augenwinkeln registrierte Nick, dass die Blondine auf der Couch sich ein wenig aufrecht hingesetzt hatte und nun dämlich-freudig in die Hände klatschte und mit ihrer piepsigen Stimme immer wieder etwas von sich gab, das sich anhörte wie: "Der Weihnachtsmann, der Weihnachtsmann..."
"Entschuldigung, ich wollte nicht so grob sein", sagte der Mann, "kommen Sie doch einfach zu Claudia und mir auf die Couch. Verehrte Zuschauer, der Weihnachtsmann, exklusiv bei Gottschalk!"
"Gottschalk!" rief Rudi aus, und plötzlich herrschte Stille im Saal. Alle Augen richteten sich entsetzt auf das Rentier, das augenscheinlich in menschlicher Sprache gesprochen hatte.
"Nick, das ist Thomas Gottschalk, du weißt schon, der hat früher immer Nasowas gemacht, was wir uns mit Erzengel Gabriel so oft angeschaut haben."
Nick musterte Gottschalk und schüttelte dann den Kopf. "Als wenn Gott ein Schalker wäre, aber für seinen Namen kann man ja nichts, oder? Der Junior war ja schon mal in Gelsenkirchen, aber der ist Bochum-Fan, und der Chef selbst guckt überhaupt kein Fußball. He, Rudi, und wer ist die Tante da auf der Couch?"
"Der Weihnachtsmann, der Weihnachtsmann", rief die piepsig-schrille Stimme, die bald nicht nur Nick auf die Nerven ging.
"Das ist Claudia Schiffer!" teilte Rudi mit.
"Wieso, muss sie so nötig?"
"Nein, sie heißt so, aber du weißt doch, für seinen Namen kann man nichts ..."
Sie wurden zur Couch geleitet. Während Rudi neben dem roten Stück stehen blieb, ließ sich Nick in die Polster plumpsen, so heftig, dass der ohnehin schon kurze Rock von Claudia Schiffer noch ein gutes Stück in die Höhe rutschte. Erstaunte Ausrufe aus dem Publikum. Ein rosa Slip mit Micky Maus Aufdruck war zum Vorschein gekommen. Claudia bemerkte erst den Schaden nicht, denn sie himmelte mit vermeintlichem Lidaufschlag den Weihnachtsmann von der Seite her an, doch als sie endlich merkte, welches Malheur geschehen war, bemühte sie sich krampfhaft, das Kleid wieder herunterzuziehen (was ihr nicht gelang, denn Nick saß auf dem Saum). Zu allem Übel legte der Weihnachtsmann noch eine Hand auf ihren entblößten Oberschenkel und tätschelte leicht ihr Knie.
"Nicht weinen, liebe Claudia, ich habe auch etwas für dich in meinem Säckchen!" sagte Nick, doch die Buh-Rufe und das anschwellende Gelächter des Publikums ließen ihn erkennen, dass seine Worte völlig missverstanden worden waren.
"Kommen wir doch zu einem anderen Thema", versuchte Gottschalk die Situation wieder in Griff zu bekommen. "Weihnachtsmann, erzähl uns doch - ich darf doch du zu dir sagen, oder? -, was Weihnachten so alles los ist und welche Aufgaben du als Weihnachtsmann hast."
"Ich glaube nicht, dass das irgendjemanden hier etwas angeht", konterte Nick. "Der Chef hat nämlich angeordnet, dass über sämtliche Arbeit im Himmel striktes Stillschweigen gehalten wird."
"Der Chef?" hakte Gottschalk nach.
"Ja, der Chef, der Herr, Gott-was-weiß-ich wie ihr ihn nennt!"
"Gott?" fragte Claudia Schiffer nach und versuchte, mit einem einzigen Ruck, den Saum unter Nicks Hintern wegzuziehen. Gesägt, tun getan, wie Onkel Hotte jetzt sagen würde, doch den Schaden, den sie damit anrichtete, war wesentlich größer, als nur mit einem Micky-Maus-Slip durch die Gegend zu laufen. Mit einem lauten "Ratsch" riss das Kleid gänzlich auf, so dass Claudia Schiffer nur in seidener Unterwäsche bekleidet auf dem Sofa hockte. Sie schrie erschrocken und grell auf, ehe sie entsetzt hochsprang und fluchtartig die Bühne verließ.
"Du gehst aber ganz schön an die Frauen ran", kommentierte Gottschalk "Hast dir den richtigen Tag ausgesucht, denn gleich kommen noch Cindy Crawford, Sibylle Rauch und Madonna auf die Bühne."
Nick verzog den Mund und bemühte sich, von der Couch aufzustehen, was sich nicht als einfach entpuppte. "Ich fürchte, wir können nicht länger bleiben. Mein Freund Rudi und ich haben noch eine Menge zu tun. Wir müssen die Weihnachtsgeschenke an die Menschen ausliefern."
Gottschalk war Nick beim Aufstehen behilflich. "Ich verstehe schon, na dann mach's mal gut, Weihnachtsmann, und grüß das Christkind von mir!"
"Mach ich, mach ich!" Zusammen mit Rudi verließen sie die Late-Night-Show und befanden sich einige Augenblicke darauf wieder auf der Straße.
"Jetzt wird es aber höchste Zeit, mein Freund."
"Wir müssen zum Schlitten zurück und den Kurs neu berechnen", warf Rudi ein.
Sie nahmen den Weg zurück den sie gekommen waren und trafen nach wenigen Minuten an der Stelle ein, wo sie den Schlitten mit den Geschenken zurückgelassen hatten. Nick sprach das magische Wort, um den Unsichtbarkeitszauber aufzuheben. Es gab einen hellen Blitz, doch die Stelle blieb leer. Der Schlitten war weg.
"Ja zum Donnerkiel, was ist denn nun schon wieder los?"
"Woher soll ich das wissen, vielleicht hat Scotty das Ding ja weggebeamt!" meinte Rudi grinsend.
"Wirklich sehr witzig!" gab Nick wütend und enttäuscht von sich.
Sie suchten eine geschlagene Stunde, doch der Schlitten war nirgendwo aufzutreiben. So blieb ihnen nichts anderes übrig, als gesenkten Hauptes die Fernsehwelt zu verlassen und mit der traurigen Nachricht vom Diebstahl der Geschenke in den Himmel zurückzukehren. Vor der Himmelspforte wartete Petrus bereits mit zornigem Blick.
"Nikolaus Weihnachtsmann, so früh schon zurück?" fragte der Himmelswächter.
"Ach, Petrus, wenn du nur wüsstest", seufzte Nick. "Ich glaube, ich bin einfach zu alt für diesen Job."
"Ja, ja, ich hab schon gehört", meinte Petrus. "Aber so was darf einfach nicht passieren. Man lässt sich nicht so mirnichts-dirnichts einen Schlitten mit Geschenken klauen."
Nick ließ die Schultern hängen. "Die armen Menschen, kriegen dieses Jahr keine Geschenke."
"Sieh es nicht so schwarz", warf Petrus ein. "Meinst du wirklich, der Chef würde so etwas zulassen? Er hat für Ersatz gesorgt, und ein zweiter Schlitten ist bereits zu den Menschen unterwegs."
Ersatz? dachte Nick entsetzt. Sollte etwa...?
"Was für einen Ersatz?"
"Na, wer schon", meinte Petrus mit einem schelmischen Grinsen auf den Lippen.
"Doch nicht etwa wieder dieser Harry Wijnvoord!" keifte Nick.
In diesem Moment ließ ein lautes "Ho, ho, ho" den Weihnachtsmann verstummen. Der Ersatzschlitten flog gerade das Himmelstor von der Erde her an. Und siehe da, er hatte nicht ein einziges Rentier im Geschirr, sondern wurde von einem hochmodernen Warpantrieb angetrieben. Mit einem Quietschen stoppte das Gefährt vor Petrus, Nick und Rudolf.
"Willkommen im Zeitalter der Technik", erklärte Petrus. "Das ist der Schlitten NSC 1701-D, also der Nikolaus Santa Claus - D, das Modernste, was momentan auf dem Markt ist."
Der Ersatzfahrer stieg aus dem Fahrzeug aus. Er kam auf die drei zu, zog sich Mütze und Bart vom Kopf und verbeugte sich übertrieben tief. Als er wieder aufblickte, erkannte Nick den Mann: es war Günter Strack!
"Meine Güte, Herr Strack?"
"Naja, das war dann wohl ein Knall für drei!" rief der andere. "Jedenfalls haben wir es wieder einmal geschafft! Die Menschen haben ihre Geschenke und sind glücklich. Frohe Weihnachten allerseits!"
Nick wurde von einem Schwindelgefühl erfasst. Seine Augen verdrehten sich, es wurde schwarz um ihn. Alles war zuviel gewesen, und so fiel er schlicht und einfach in Ohnmacht.


E N D E